Die Studiengruppen der Fakultät Psychotherapiewissenschaft richten sich an alle aktiven, aber auch an ehemalige Student*innen der SFU, unabhängig vom jeweiligen Studiensemester oder Wahlpflichtfach. Die Teilnahme kann teils für Forschungspunkte und für das Window of Opportunity bzw. als Praktikumsstunden angerechnet werden. Informationen dazu erhalten Sie von der Leitung der jeweiligen Studiengruppe.

1. SFU Gender Study Group

Die Gender Study Group versteht sich als ein interdisziplinäres Seminar zu Themenkreisen der Geschlechterkonstruktion, die im Umgang der Geschlechter mit- und untereinander präsent sind. Anhand von Fachlektüre, Filmen und Vorträgen werden Aspekte zur Geschlechterdifferenzierung, sowie zur sozialen Konstruktion des Frau- und Mannseins erarbeitet, kritisch hinterfragt und diskutiert. Überblick-GSG.pdf

Gender Study Group im WS 2020/21 und SS 2021

Thema im Wintersemester 2020 & Sommersemester 2021:

„Traum & Gender.
Geschlechterbilder und Körperbilder im Traum“

Termine SoSe 2021
17.2.2021, 17.3.2021, 21.4.2021, 19.5.2021, 16.6.2021, von 18:30-20:45h

Die Termine finden online per Zoom statt – Anmeldung bei anita.dietrich@sfu.ac.at

Literatur:
Irmas Injektion – Freuds Traum zur Entstehung der PSA.pdf
Beradt_Dritte Reich des Traums.pdf
Lamparter_Freuds Irma Traum.pdf
Barbara Hahn Ein kleiner Beitrag zur Geschichte des Totalitarismus Nachwort.pdf
Mendelssohn_Lucides Träumen.pdf
Frederik von Eeden, 1913: A Study of Dreams: http://www.lucidity.com/vanEeden.html

Das, was eine Frau oder ein Mann ist bedeutet nicht unbedingt das gleiche, wie eine Frau oder ein Mann zu sein. Darin liegt die Unterscheidung zwischen dem biologischen Geschlecht und dem sozialen Geschlecht. Der Focus des Wintersemesters 2020 richtet sich auf die Traumdeutung und den verkörperten Genderaspekten des nächtlich geträumten Traumes.

Anders als zu Freud´s Zeiten sind wir sozialen Normen heute weniger unterworfen, die Gesellschaft erlaubt Genderrollen flexibel zu leben und es scheint so zu sein, dass bis zu einem gewissen Grad die biologische Geschlechtsschranke zu überwinden möglich ist. Eine befriedigende Position zum körperlichen und sozialen Geschlecht zu erlangen und sich in der geschlechtlichen Identität wohlzufühlen ist kein selbstverständlicher, sondern ein eher störanfälliger Prozess, der stark von der Umwelt mitbestimmt wird.
Der Traum – als Königsweg zur Erforschung des Unbewussten – eröffnet uns Einblicke in das Ringen, die Konflikte, Ängste und Lösungswege rund um die Etablierung der persönlicher Geschlechtlichkeit, der Beziehung zum Körperselbst und zu wichtigen Personen. Ebenso reflektiert der Traum die emotionale Verarbeitung von gesellschaftspolitischen Phänomenen.

Themenbereiche des Semesters:

  • Möglichkeiten, das Traummaterial zu deuten
  • Typische Ängste und Konfliktkonstellationen am Weg zur Geschlechtsidentität
  • Sexualität in Metaphern und Symbolen
  • Patient*in und Therapeut*in – zum Sexuellen in der Übertragungsbeziehung
  • Trauma und Krise – gesellschaftliche Phänomene als Abbilder im Traum
  • Wie wurde der Ausbruch der Covid-19 Pandemie im Traum verarbeitet? Sind genderspezifische Aspekte ersichtlich?

Die Datenbasis liefern die Träume der im vorigen Semester durchgeführten Corona-Traumforschungstagebuch-Studie. In kleinen Gruppen besteht die Möglichkeit, das Material auszuwerten.

Kontakt:
Mag.a Dr.in Anita Dietrich-Neunkirchner
Psychologin, Psychoanalytikerin, Leiterin der GenderStudyGroup an der SFU Wien
Mail: anita.dietrich@sfu.ac.at

Vergangene Gender Study Groups

Thema SS 2020: „der/die/das Virus“ – Aggression und Regression“
Das Corona – Traumforschungstagebuch

Das Forschungstagebuch endet mit 31.05.2020.
Bis zum 10.06. sind noch Einträge (mit rückwirkendem Datum vom Zeitraum 09.03.-31.05.) möglich!
Erste Ergebnisbesprechung am 17.06. im Rahmen der GSG – wer noch nicht im Verteiler ist, kann sich per Email an Anita Dietrich wenden.

https://www.unipark.de/uc/1_Registrierung_Corona_Traumforschung/
https://www.unipark.de/uc/2_Tagebuch_zur_Corona_Traumforschung/

Eine Forschung im Rahmen der GSG zum Mitmachen. Ziel ist es unsere bewussten und unbewussten Copingstrategien und Abwehrmechanismen zur Bewältigung der Corona-Pandemie-Maßnahmen besser verstehen zu lernen. Die Analyse unserer Träume ermöglicht einen Zugang zum kulturellen Unbewussten.
Wenn die Krise vorbei ist, werden wir im Rahmen der GSG eine erste Auswertung der Daten gemeinsam machen!

  • Bitte, soweit möglich, täglich eintragen – die Erfassung ist absolut anonym!
  • Für die Teilnahme an dieser Forschung werden ECTS-Punkte vergeben!

Literatur: Dietrich_Traum – eine Metapher aus Geist und Körper.pdf


Thema WS 2019: „Good Girls go to Hell“ – weibliche Aggression: gefesselt? entfesselt?

Viele psychische Störungsbilder und psychosomatische Leiden von Frauen verweisen auf ein – oftmals unbewusstes – Aggressionsproblem, auf einen inadäquaten Umgang mit verpönten (Trieb-)Erregungen. Gefühle von Wut, Ärger, Empörung, Neid, Zorn und Trotz werden oftmals externalisiert und in krankhaft Art und Weise über den Umweg des eigenen Körper oder des Körpers des Kindes ausgetragen.

Billie Eilish, Shootingstar der Popmusik legt mit ihrem aktuellen Song „all the good girls go to hell“ einen düsteren, metaphorischen Song vor, der in witziger Weise das (unbewusst) aggressive Potential der Frau und der Muttergöttin thematisiert.

Das Lied besticht durch Rhythmus und Text, traumähnlich, nahe am Primärprozess des Unbewussten entlang gleitend, das eigene Unbewusste der Hörer_innen affizierend. Fühlen wir uns auch deshalb von Billie Eilish angesprochen, weil sie es in nicht moralisierender Weise schafft, uns mit unseren eigenen aggressiven und rebellischen Impulsen in Berührung zu bringen?

Ausgehend von Billie Eilish´s aktuellem Song werden wir uns vielfältigen Fragestellungen rund um das Thema der weiblichen Aggression und des daran anhaftenden Aggressionstabus widmen. Entwicklungspsychologische Aspekte, Bereiche aus der Krankheitslehre und behandlungstechnische Konsequenzen werden anhand von Texten und Fallbeispielen diskutiert.

Mögliche Schwerpunkte sind:

  • Gibt es überhaupt eine, durch die Sozialisation erworbene, geschlechtsspezifische „weibliche“ Aggression und welche Funktion hat dabei die Mutterbeziehung?
  • Wie werden aggressive Gefühle und Impulse von Mädchen und Frauen erspürt, gelebt, verworfen, im gesellschaftlichen Kontext verhandelt und eingebracht?
  • Wie können Frauen ihr aggressives Potential – ihre zupackende Lebendigkeit – gesund ausleben? Welche Rolle spielen gesellschaftliche Rahmenbedingungen um Mutterschaft und Beruf konfliktfreier zu gestalten?
  • Wie können die vielfältigen Erkrankungen, die Frauen am eigenen Körper oder an dem ihres Kindes abhandeln, verstanden werden? Essstörungen, Körpermanipulationen, weibliche Perversion, etc.?
  • Was können wir als Psychotherapeut_innen in unserer behandlungstechnischen Haltung beitragen um unseren Klienteninnen einen lebendigen Zugang zu ihrer Aggressivität zu ermöglichen?
  • Wie sehen die Übertragungs- und Gegenübertragungsprobleme speziell in der Frau-zu-Frau-Behandlung aus?

Literatur:
Langer_Sterilität und Neid.pdf
Langer_Parin über sie.pdf
Langer_Bild_böse_Mutter.pdf
Der Preis der Macht.pdf
Flaake_Adoleszenz.pdf
Kooermendy_Weibliche_Identit_und_Macht.pdf
TysonTyson_Triebtheorie.pdf
Rohde-Dachser Menge-Herrmann_weibliche Aggression.pdf


Thema WS 2018: African Spirit – Inspirationsquelle für westliche Psychotherapie?

„Mama Afrika“ – die Wiege der Menschheit – löst in weißen Europäer*innen viele Assoziationsketten aus. Bilder von fröhlichen, hilfsbereite Menschen mit starkem Familiensinn tauchen auf, aber auch irritierende, uns fremd anmutende Eindrücke von archaischen Ritualen, nicht nachvollziehbaren Tabus, Ängsten vor Verhexung oder Begegnungen mit Ahnengeistern.

In Zeiten der globalen Migration suchen zunehmend afrikanische Patient*innen psychotherapeutische Hilfe in europäischen Einrichtungen auf. Oftmals handelt es sich um Menschen, die gewohnt waren zur Linderung ihrer psychischen Probleme traditionelle Heiler*innen zu konsultieren, deren Erkrankungsverständnis eingebettet ist in kulturspezifische Erklärungsmodelle und davon abgeleitete Heilungsrituale. Westlich ausgebildete Psychotherapeut*innen stehen vor neuen Herausforderungen im Kontakt mit diesen Patient*innen. Ihre Erzählungen erscheinen fremd, archaisch oder irrational und können Abwehrreaktionen im Gegenüber auslösen.

Die im Sommer stattgefundene Studienreise nach Malawi in Südostafrika, wo traditionelle Heiler*innen besucht und interviewt wurden, wird zum Ausgangspunkt des Semesterthemas. Mittels eines psychoanalytisch-tiefenpsychologischen Theorieverständnisses sollen Fragen erörtert werden, die sich mit Ähnlichkeiten sowie Differenzen zwischen der traditionellen Heilkunst und der westlichen Psychotherapie beschäftigen. Ziel ist es den eigenen psychischen Raum für die Behandlung afrikanischer Patient*innen zu erweitern.

Schwerpunkte:

  • Wie können Tabu-Vorschriften verstanden werden und die damit einhergehenden Ängste bei Übertretung eines Tabus?
  • Das Phänomen der Verhexung als psychosozialer Regelmechanismus?
  • Magisches Denken und präsymbolische Vorstellungen als Zugang zu ubw. Triebkräften?
  • Über die Bedeutung von Ahnen und Geistern als innerpsychische Logik zur Bewältigung von ubw. Triebkräften?
  • Stellenwert und Interpretation von Träumen
  • Körperbezogene Behandlungsrituale – Vimbuzatanz als kathartische Heilmethode?
  • Geschlechtsspezifische Rollenerwartungen – Beschneidung zur Verortung von Geschlechterdifferenz und Kanalisation der Lust?

Literatur:
Kpanake cultural concepts – African healer.pdf
Parin_Gruppen-Ich.pdf
Schröder_Kulturspezifik von Tabus.pdf
Gutjahr_Tabu als Grundbedingung von Kultur.pdf
Kubik_Einführung Symbol, Tabu.pdf
Kubik_ Chichewa-Raum, Tabus.pdf
Ferenczi_Sprachverwirrung_zw. Erw. Kind.pdf
Gsell_Werkblatt-17.pdf
Rambert_Werkblatt-17.pdf
Zachary_Klitoris.pdf
Horney_Angst vor Frau und Verleugnung Vagina.pdf
Das Audiofile zum Thema „Genitalbeschneidung“ finden Sie im passwortgeschützten Bereich PTW-intern → Ordner „Gender Study Group“.


Thema SS 2018: Erotik und Sinnlichkeit – Kunst und Körper

In den kommenden Seminaren wollen wir uns in unterschiedlicher Weise dem Thema Erotik annähern. Zum Einstieg in das Thema wenden wir uns der sinnlichen Körperarbeit von Kaouthar Darmoni zu. Kaouthar Darmoni coacht Frauen in Führungspositionen in Unternehmen und Politik. Ins Zentrum ihres Trainings stellt sie einen körperbewussten, sinnlichen Umgang mit dem eigenen „Erotic Capital“, dessen Grundlagen in jahrtausendealten Bauchtanzbewegungen und im Wissen um archetypischen Gottheiten fussen.Die Kollegin Herzinger wird anhand von Videos und Inputs in den Abend einführen. U.a. sollen Fragen diskutiert werden: Gibt es einen Unterschied zwischen sinnlich und sexuell? Darf eine Frau ihren Körper einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen? Was können westliche Frauen von alten orientalischen Traditionen lernen?

Weiters werden wir uns mit Fachtexten breiten Inhalts beschäftigen. Je nach Interesse der GSG-TeilnehmerInnen werden wir triebtheoretische Begriffe wie Freud´s „Eros und Thanatos“ oder D. Manns Überlegungen von Psychotherapie als erotische Beziehungsform diskutieren.

Ebenso wollen wir Arbeiten der Performancekünstlerin Marina Abramovic ansehen und psychoanalytisch besprechen. Wenn Erotik als Kunstform eingesetzt wird, was wird damit transportiert? Welche geschlechtsspezifischen oder -auflösenden Aspekte sprechen an, stossen ab,…?

Literatur:
Fischer_Abramovic.pdf
Abramovic_Autobiografie.pdf
Pechriggl_Eros.pdf
Mann_erotische Übertragung.pdf
Mann_erotische Subjektivität_d_Therapeuten.pdf

Mann_erotische Gegenübertragung.pdf


Thema WS 2017: Kulturen verstehen (wollen)?

In diesem Semester werden weiterhin Migrationsthemen unter einem gendersensiblen Blickwinkel betrachtet. Der Schwerpunkt liegt im Verstehen wollen (anderer) Kulturen. Der psychoanalytische Zugang – als Lehre vom Unbewussten mit ihrem kulturanalytischen und politischen Potential – wird als Methode gewählt.

Wir werden versuchen kulturelle Codes zu entschlüsseln die psychodynamisch im Individuum als auch in der Großgruppe verhandelt werden. Dabei müssen unterschiedliche Bedingungen der Sozialisation, Religion und des Geschlechterverhältnisses mitbedacht werden. Anhand von Fachliteratur, einem Dissertationsprojekt und Gesprächsprotokollen können unterschiedliche Themen beleuchtet werden, wie etwa:

  • die Entstehung des WIR – Gefühls
  • Bedingungen der inneren und äußeren Aneignung von Kultur
  • Frauenbilder im Kulturvergleich – was ist eigentlich feministisch?
  • ausgewählte Stellen aus der Bibel und dem Koran im Vergleich
  • eine tiefenhermeneutische Auswertung eines Nationalratsprotokolls zum Thema Flüchtlinge
  • Vamik Volkans Konzept der Großgruppen-Identität um nationale, ethnische und religiöse Konflikten besser verstehen zu können.

Literatur:
Volkan – Innere Welt eines Führers.pdf
Volkan – Großgruppenidentität.pdf
Freud – Familienroman.pdf
Freud – Fas Unheimliche.pdf
Kakar – Klinische Arbeit.pdf
Kakar – Kultur und Psychoanalyse persoenliche Reise.pdf


Thema SS 2017: Migration – Überlegungen zu Heimat, Fremdheit & kultureller Vielfalt

Die aktuellen Flüchtlingsströme und Asylsuchenden verunsichern die Mehrheitsbevölkerung in ihrem Umgang mit Minderheiten. Die Akzeptanz eine kulturelle Vielfalt als gesellschaftliche Bereicherung anzusehen, droht zu kippen. Ausgehend von psa. Ansätzen sollen die damit einhergehenden Ängste, Projektionen und narzisstischen Identifizierungen diskutiert werden. Genderspezifischen Fragestellungen, die sich anhand der „Burka-Diskussion“ oder der „Radikalisierung männlicher Muslime“ eröffnen, sollen ebenfalls beleuchtet werden.

Literatur:
Korchide_Maennerbild des Koran_ZEIT.pdf
Mazarweh_PSA als Revolution_Standard.pdf
Mazarweh_Voller Hass auf das sadistische UeberIch_TAZ.pdf
E.Heinemann_Maennlichkeit_Migration_Gewalt.pdf
Volkan_Identitiaetsverlust_Migration.pdf
Freud_das Unheimliche.pdf
Dietrich-Neunkirchner_Hijab und Burka.pdf


2. Arbeitsgruppe Qualitative Forschung

Das Forschungsteam „Qualitative Psychotherapieforschung“ lädt interessierte Studierende zur Arbeitsgruppe für qualitative Forschung ein. Voraussetzung für die Teilnahme sind eigene qualitative Forschungsprojekte und Abschlussarbeiten, die als Material eingebracht werden können.

Regelmäßige Treffen im Kreis qualitativ forschender Studierender

  • Diskussionen und Austausch über Forschungsprojekte und Abschlussarbeiten
  • Möglichkeit für Interpretations- oder Auswertungsgruppen
  • Unterstützung in der AG durch die ForscherInnen und Lehrenden des Instituts für qualitative Psychotherapieforschung
  • Kennenlernen von neuen Methoden und Erweiterung der eigenen Forschungskompetenz
  • gemeinsame Lektüre von Texten zu Methoden oder interessanten Forschungsarbeiten
  • etc.

AG Qualitative Forschung im SoSe 2021

Der erste Termin im Sommersemester 2021 findet am Montag den 1.3. von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr über Zoom statt. Die Treffen sind einmal im Monat und werden individuell in der Gruppe vereinbart. Bei Interesse auch nach dem 1.3. bitte um Anmeldung bei Birgitta Schiller – birgitta.schiller@sfu.ac.at

Der Zoom Link wird zeitgerecht nach Anmeldung zugesendet. Für die Teilnahme an mindestens drei Treffen können gesamt vier Forschungspunkte vergeben werden.

Wir freuen uns! Birgitta Schiller und Eva Wimmer


3. Tiefenhermeneutik-Gruppe: Psychoanalytische Kultur- und Sozialforschung

Die Teilnahme an der Tiefenhermeneutik-Gruppe ist für alle Studierenden der SFU möglich, unabhängig von der jeweiligen Studienrichtung oder dem Studiensemester; sie steht aber auch anderen Interessierten offen. Über die Teilnahme an den Interpretationssitzungen können sowohl Forschungs- wie auch Window of Opportunity-Punkte erworben werden. Bei den Treffen wird jeweils gemeinsam Material interpretiert, das im Vorfeld zu lesen ist. Über die Eindrücke, Gefühle und Assoziationen, die das Material bei uns je ausgelöst hat, und die widersprüchlichen Leseweisen, die sich dadurch ergeben, erschließen wir gemeinsam den unbewussten Sinn des Materials.

Tiefenhermeneutik-Gruppe im SoSe 2021

  • Termine: jeweils Donnerstag, 18 – 20h
  • Informationen zu den Terminen und zum Thema / Material, das jeweils im Vorfeld anzuschauen ist, werden über einen E-Mail-Verteiler verschickt. Wer teilzunehmen möchte, schreibt eine E-Mail an markus.brunner@sfu.ac.at.

Seit einigen Jahren existiert an der SFU eine Interpretationsgruppe, die sich mithilfe der Methode der Tiefenhermeneutik der Erkundung unbewusster Dimensionen von sozialen Interaktionen und Prozessen widmet. Wir treffen uns ‒ je nach Bedarf ‒ alle 2-4 Wochen, um Material aus unterschiedlichen Forschungsprojekten zu bearbeiten, v.a. auch Bachelor- und Masterarbeiten von Studierenden der SFU. Interpretiert haben wir in diesem Rahmen beispielsweise schon Beobachtungsprotokolle aus einem Schulunterricht, Gruppendiskussionen mit Jugendlichen, Interviews mit Burschenschaflern und Mädchenschaftlerinnen, Propagandareden aus Österreich und dem Iran, Erfahrungsberichte zu den Majdanprotesten in der Ukraine, Musiktexte und -videos aus dem ex-jugoslawischen Raum und Auszüge aus Gerichtsprotokollen.

Die von Alfred Lorenzer entwickelte Tiefenhermeneutik ist eine qualitative Methode kritisch-psychoanalytischer Kultur- und Sozialforschung. Im Gegensatz zu anderen Methoden zielt die Tiefenhermeneutik auf die unbewussten Gehalte des zu untersuchenden Materials (Texte, Filme, Interviews…). Diese unbewussten „Szenen“ schimmern zwar bloß „zwischen den Zeilen“ hindurch, sprechen die Rezipient_innen und Interpret_innen aber unwillkürlich affektiv an und können über eine Analyse dieser Reaktionen erschlossen werden. Es wird in der Arbeitsgruppe darum gehen, spontane Gefühle und Assoziationen für eine Interpretation des Materials nutzbar zu machen. Mehr Infos zur Tiefenhermeneutik sind hier zu finden.

Da die Methode der Tiefenhermeneutik mit den klassischen psychoanalytischen Verfahren der „freien Assoziation“, der „gleichschwebenden Aufmerksamkeit“ und des „szenischen Verstehens“ arbeitet, zugleich aber immer auch ein Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse wirft, bietet die Arbeit in der Interpretationsgruppe überhaupt einenguten Einstieg und Einblick in das kritisch-psychoanalytische Denken.

Vorkenntnisse zur Tiefenhermeneutik oder Psychoanalyse sind für die Teilnahme keine Voraussetzung, nur die Bereitschaft, sich auf das zu interpretierende Material auch emotional einzulassen, eine Freude an der Selbstreflexion und die Bereitwilligkeit, regelmäßig zu unseren Treffen zu kommen (wobei es auch erlaubt ist, einmal „reinzuschnuppern“). Sehr gerne können Teilnehmer_innen auch eigenes Material aus Bachelor- oder Masterarbeiten in die Gruppe einbringen.

Studierende der Psychotherapiewissenschaft können über die Teilnahme an den Interpretationsrunden sowohl Forschungs- als auch Window of Opportunity-Punkte erwerben.

Wir treffen uns jeweils an einem Donnerstagabend von 18-20 Uhr. Die genauen Termine und auch, welches Material wann besprochen wird, machen wir jeweils gemeinsam mit den Anwesenden vor Ort aus. Die Informationen über die nächsten Termine, das Thema und das Material, das jeweils im Vorfeld zu lesen/anzuschauen ist, werden stets über einen E-Mail-Verteiler geschickt.

Wer Interesse daran hat, einmal bei uns teilzunehmen, schreibe eine E-Mail an markus.brunner@sfu.ac.at und Sie werden dann dem E-Mail-Verteiler hinzugefügt.

Dr. Markus Brunner
Co-Leiter des Psychologie-Masterstudienschwerpunktes Sozialpsychologie und psychosoziale Praxis


4. Climate Study Group

mit Johanna Berger, Ute Langthaler-Wlasak, Clemens Prutscher, Anna-Katharina Thiel, Franziska Springer, Florian Czeskleba – Studierende der PTW

Climate Study Group im SoSe 2021

Als „Climate Study Group“ motiviert uns in erster Linie die Frage nach einer Antwort der Psychotherapie(-wissenschaft) auf die Klimakrise.

  • Wie wollen wir uns als (zukünftige) Psychotherapeutische Gesellschaft einbringen?
  • Wie können wir helfen?
  • Welche Aufgaben ergeben sich aus der Klimakrise für den psychotherapeutischen Beruf?
  • Welche neuen und andersartigen, durch die Folgen der Klimakrise ausgelösten Ängste, Depressionen, Schuldfragen und Traumata erwarten uns in den Therapiestunden mit Patient*innen und Klient*innen?
  • Wo steht jede*r Einzelne von uns?
  • Müssen wir uns selbst in unserer Persönlichkeitsentwicklung nicht auch damit auseinandersetzen, was diese Krise mit uns macht?
  • Müssen wir Schuldfragen reflektieren, um nicht Gefahr zu laufen, in Therapiesitzungen getriggert zu werden? Und welchen gesundheitspolitischen Auftrag stellen wir uns als Psychotherapeut*innen, Gesellschaft und Politik über die psychologischen Auswirkungen einer globalen Krise, die unsere Lebensgrundlage massiv bedroht, aufzuklären?

Die Klimakrise ist in großem Ausmaß auch eine soziale Krise, daher werden wir uns in unserem Gesundheitsberuf stark mit ihren Auswirkungen konfrontiert sehen. Wir halten es darum für wichtig, die Klimakrise insbesondere in unserer Ausbildung vermehrt zum Thema zu machen. Das Format möchten wir gerne offenhalten; eine Study Group gründen, in der sich alle Teilnehmer*innen gleichermaßen mit den oben genannten Fragen beschäftigen. Dabei möchten wir als „Gastgeber*innen“ Impulse setzen und – je nach Interesse der Gruppe -gemeinsam vertiefen und explorieren.

Zum Auftakt der Climate Study Group planen wir in diesem Sommersemester zwischen 5 und 7 Treffen, in denen wir folgende einführende Perspektiven aufgreifen möchten:

Eine Exploration von Wünschen & Vorstellung einer möglichen Zukunft
Mithilfe von Imagination (inspiriert durch Katathym-imaginative Therapie) wollen wir versuchen, gemeinsam einen Einblick in unsere gewünschte Zukunft (in einer Klimagerechten Welt) zu gewinnen. Später soll in der Gruppe darüber gesprochen werden, wie diese Wünsche im Kontrast zu der derzeitigen Realität stehen und was für Emotionen bei den unterschiedlichen Schritten entstanden sind.

Überlegungen zu den psychologischen Auswirkungen der Klimakrise und Auseinandersetzung mit therapeutischen Ansätzen
Was ist gänzlich neu an der Situation, mit der wir uns konfrontiert sehen? Welche Mittel oder Methoden stehen uns bereits aus anderen psychotherapeutischen Theoriefeldern zur Verfügung?

Wenn sich der Klimawandel auf die Tiefenkommunikation auswirkt
Unsere Annahme ist, dass die Klimakrise und ihr bewusstes und unbewusstes Erleben zu pränataler Stressbelastung werdender Mütter führen kann und damit die Tiefenkommunikation existentiell beeinflusst: Weltweit nimmt die Frühgeborenen-Rate zu. Inwieweit kann heute eine Aussage getroffen werden, ob die Auswirkungen der Klimakrise mit dieser steigenden Zahl an Frühgeburten korreliert? Was bedeutet das für die Life-Time-Kosten der Betroffenen?

Die Psychotherapie innerhalb eines Sozial-Ökologischen Wandels
Eine Psychologie, die gesellschaftlich relevant sein will muss den Wunsch haben, zur Lösung (umweltpolitischer) Probleme beizutragen. Die derzeitigen Psychologischen Fragestellungen reflektieren aber zu wenig das Wesen und die Dringlichkeit der aktuellen ökologischen Krise. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, muss sich Psychologie an einem Transformativen Paradigma orientieren. Wie kann ein solches Transformatives Paradigma in der Psychotherapie(-wissenschaft) aussehen?

Das Klima und Ich. Meinen persönlichen Beitrag leisten – Klimaschutz in den Alltag integrieren
Betrifft mich die Klimakrise persönlich? Fühle ich mich von ihr überfordert überfordert? Habe ich Angst davor, was auf die folgenden Generationen zukommen wird? Ziel: aus Resignation wird Motivation

Anmeldung und Termine

Wir laden die TeilnehmerInnen ein, die sich über das Sommersemester in die Treffen der Study Group einbringen, gegenüber den Fragen der Klimakrise eine eigene Position zu entwickeln. Dabei bieten wir an, sich ein stückweit selbst auf die Spur zu kommen – und mehr über die persönlichen Triggerpunkte in den angesprochenen Fragen zu lernen.

Kontakt und Anmeldung:johanna.berger@yahoo.com

  • Für die Teilnahme an der Gruppe werden Forschungspunkte vergeben, pro Termin (á 1,5 – 2h) wird 1 Punkt vergeben. Insgesamt können 6 Punkte gesammelt werden.
  • Termine: 16.03.2021, 06.04.2021, 27.04.2021, 18.05.2021, 08.06.2021, 29.06.2021 – jeweils 18:00 Uhr.
  • Die ersten Termine finden über MS Teams statt, sie sind für alle Interessierten offen, später wird die Gruppe voraussichtlich geschlossen.
  • Die Termine finden in deutscher Sprache statt.