Gender Study-Group

Thema WS 2018:
African Spirit – Inspirationsquelle für westliche Psychotherapie?

„Mama Afrika“ – die Wiege der Menschheit – löst in weißen Europäer*innen viele Assoziationsketten aus. Bilder von fröhlichen, hilfsbereite Menschen mit starkem Familiensinn tauchen auf, aber auch irritierende, uns fremd anmutende Eindrücke von archaischen Ritualen, nicht nachvollziehbaren Tabus, Ängsten vor Verhexung oder Begegnungen mit Ahnengeistern.

In Zeiten der globalen Migration suchen zunehmend afrikanische Patient*innen psychotherapeutische Hilfe in europäischen Einrichtungen auf. Oftmals handelt es sich um Menschen, die gewohnt waren zur Linderung ihrer psychischen Probleme traditionelle Heiler*innen zu konsultieren, deren Erkrankungsverständnis eingebettet ist in kulturspezifische Erklärungsmodelle und davon abgeleitete Heilungsrituale.

Westlich ausgebildete Psychotherapeut*innen stehen vor neuen Herausforderungen im Kontakt mit diesen Patient*innen. Ihre Erzählungen erscheinen fremd, archaisch oder irrational und können Abwehrreaktionen im Gegenüber auslösen.

Die im Sommer stattgefundene Studienreise nach Malawi in Südostafrika, wo traditionelle Heiler*innen besucht und interviewt wurden, wird zum Ausgangspunkt des Semesterthemas.
Mittels eines psychoanalytisch-tiefenpsychologischen Theorieverständnisses sollen Fragen erörtert werden, die sich mit Ähnlichkeiten sowie Differenzen zwischen der traditionellen Heilkunst und der westlichen Psychotherapie beschäftigen. Ziel ist es den eigenen psychischen Raum für die Behandlung afrikanischer Patient*innen zu erweitern.

Die Termine im WS 2018/19:
Mittwoch, 19.9.2018, 18.00-20.30h
Mittwoch, 17.10.2018, 18.00-20.30h
Mittwoch, 14.11.2018, 18.00-20.30h
Mittwoch, 12.12.2018, 18.00-20.30h
Mittwoch, 16.1.2019, 18.00-20.30h

Mögliche Schwerpunkte:

  • Wie können Tabu-Vorschriften  verstanden werden und die damit einhergehenden Ängste bei Übertretung eines Tabus?
  • Das Phänomen der Verhexung als psychosozialer Regelmechanismus?
  • Magisches Denken und präsymbolische Vorstellungen als Zugang zu ubw. Triebkräften?
  • Über die Bedeutung von Ahnen und Geistern als innerpsychische Logik zur Bewältigung von ubw. Triebkräften?
  • Stellenwert und Interpretation von Träumen
  • Körperbezogene Behandlungsrituale – Vimbuzatanz als kathartische Heilmethode?
  • Geschlechtsspezifische Rollenerwartungen – Beschneidung zur Verortung von Geschlechterdifferenz und Kanalisation der Lust?

Literatur:
Schröder_Kulturspezifik von Tabus.pdf

Gutjahr_Tabu als Grundbedingung von Kultur.pdf
Kubik_Einführung Symbol, Tabu.pdf
Kubik_ Chichewa-Raum, Tabus.pdf
Ferenczi_Sprachverwirrung_zw. Erw. Kind.pdf

Die Teilnahme an der GSG ist für alle Studierenden der SFU möglich, unabhängig vom jeweiligen Studiensemester oder Wahlpflichtfach. Forschungspunkte werden vergeben.
Die GSG wird als interaktives Seminar geführt, d.h. dass gemeinsam Texte gelesen und diskutiert werden, Veranstaltungen besucht werden, Teile von eigenen wissenschaftlichen Arbeiten vorgestellt werden können und vieles mehr.

Ich freue mich auf Ihr Kommen!

Dr.in Anita Dietrich-Neunkirchner



Vergangene Veranstaltungen

Thema SS 2018: Erotik und Sinnlichkeit – Kunst und Körper

In den kommenden Seminaren wollen wir uns in unterschiedlicher Weise dem Thema Erotik annähern. Zum Einstieg in das Thema wenden wir uns der sinnlichen Körperarbeit von Kaouthar Darmoni zu. Kaouthar Darmoni coacht Frauen in Führungspositionen in Unternehmen und Politik. Ins Zentrum ihres Trainings stellt sie einen körperbewussten, sinnlichen Umgang mit dem eigenen „Erotic Capital“, dessen Grundlagen in jahrtausendealten Bauchtanzbewegungen und im Wissen um archetypischen Gottheiten fussen.Die Kollegin Herzinger wird anhand von Videos und Inputs in den Abend einführen. U.a. sollen Fragen diskutiert werden: Gibt es einen Unterschied zwischen sinnlich und sexuell? Darf eine Frau ihren Körper einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen? Was können westliche Frauen von alten orientalischen Traditionen lernen?

Weiters werden wir uns mit Fachtexten breiten Inhalts beschäftigen. Je nach Interesse der GSG-TeilnehmerInnen werden wir triebtheoretische Begriffe wie Freud´s „Eros und Thanatos“ oder D. Manns Überlegungen von Psychotherapie als erotische Beziehungsform diskutieren.

Ebenso wollen wir Arbeiten der Performancekünstlerin Marina Abramovic ansehen und psychoanalytisch besprechen. Wenn Erotik als Kunstform eingesetzt wird, was wird damit transportiert? Welche geschlechtsspezifischen oder -auflösenden Aspekte sprechen an, stossen ab,…?

Literatur:
Fischer_Abramovic.pdf
Abramovic_Autobiografie.pdf
Pechriggl_Eros.pdf
Mann_erotische Übertragung.pdf
Mann_erotische Subjektivität_d_Therapeuten.pdf

Mann_erotische Gegenübertragung.pdf


Thema WS 2017:  Kulturen verstehen (wollen)?

In diesem Semester werden weiterhin Migrationsthemen unter einem gendersensiblen Blickwinkel betrachtet. Der Schwerpunkt liegt im Verstehen wollen (anderer) Kulturen. Der psychoanalytische Zugang – als Lehre vom Unbewussten mit ihrem kulturanalytischen und politischen Potential – wird als Methode gewählt.

Wir werden versuchen kulturelle Codes zu entschlüsseln die psychodynamisch im Individuum als auch in der Großgruppe verhandelt werden. Dabei müssen unterschiedliche Bedingungen der Sozialisation, Religion und des Geschlechterverhältnisses mitbedacht werden. Anhand von Fachliteratur, einem Dissertationsprojekt und Gesprächsprotokollen können unterschiedliche Themen beleuchtet werden, wie etwa:

  • die Entstehung des WIR – Gefühls
  • Bedingungen der inneren und äußeren Aneignung von Kultur
  • Frauenbilder im Kulturvergleich – was ist eigentlich feministisch?
  • ausgewählte Stellen aus der Bibel und dem Koran im Vergleich
  • eine tiefenhermeneutische Auswertung eines Nationalratsprotokolls zum Thema Flüchtlinge
  • Vamik Volkans Konzept der Großgruppen-Identität um nationale, ethnische und religiöse Konflikten besser verstehen zu können.

Literatur:
Volkan – Innere Welt eines Führers.pdf
Volkan – Großgruppenidentität.pdf
Freud – Familienroman.pdf
Freud – Fas Unheimliche.pdf
Kakar – Klinische Arbeit.pdf
Kakar – Kultur und Psychoanalyse persoenliche Reise.pdf


Thema SS 2017: Migration – Überlegungen zu Heimat, Fremdheit & kultureller Vielfalt

Die aktuellen Flüchtlingsströme und Asylsuchenden verunsichern die Mehrheitsbevölkerung in ihrem Umgang mit Minderheiten. Die Akzeptanz eine kulturelle Vielfalt als gesellschaftliche Bereicherung anzusehen, droht zu kippen. Ausgehend von psa. Ansätzen sollen die damit einhergehenden Ängste, Projektionen und narzisstischen Identifizierungen diskutiert werden. Genderspezifischen Fragestellungen, die sich anhand der „Burka-Diskussion“ oder der „Radikalisierung männlicher Muslime“ eröffnen, sollen ebenfalls beleuchtet werden.

Literatur:
Korchide_Maennerbild des Koran_ZEIT.pdf
Mazarweh_PSA als Revolution_Standard.pdf
Mazarweh_Voller Hass auf das sadistische UeberIch_TAZ.pdf
E.Heinemann_Maennlichkeit_Migration_Gewalt.pdf
Volkan_Identitiaetsverlust_Migration.pdf
Freud_das Unheimliche.pdf
Dietrich-Neunkirchner_Hijab und Burka.pdf