Psychoanalytische Kultur- und Sozialforschung: Tiefenhermeneutik-Gruppe

Termine Sommersemester 2019

__ jeweils Donnerstag, 18 – 20h

__ Informationen zu den Terminen und zum Thema / Material, das jeweils im Vorfeld anzuschauen ist, werden über einen E-Mail-Verteiler verschickt. Wer teilzunehmen möchte, schreibt eine E-Mail an markus.brunner@sfu.ac.at.

Seit einigen Jahren existiert an der SFU eine Interpretationsgruppe, die sich mithilfe der Methode der Tiefenhermeneutik der Erkundung unbewusster Dimensionen von sozialen Interaktionen und Prozessen widmet. Wir treffen uns ‒ je nach Bedarf ‒ alle 2-4 Wochen, um Material aus unterschiedlichen Forschungsprojekten zu bearbeiten, v.a. auch Bachelor- und Masterarbeiten von Studierenden der SFU.

Interpretiert haben wir in diesem Rahmen beispielsweise schon Beobachtungsprotokolle aus einem Schulunterricht, Gruppendiskussionen mit Jugendlichen, Interviews mit Burschenschaflern und Mädchenschaftlerinnen, Propagandareden aus Österreich und dem Iran, Erfahrungsberichte zu den Majdanprotesten in der Ukraine, Musiktexte und -videos aus dem ex-jugoslawischen Raum und Auszüge aus Gerichtsprotokollen.

Die von Alfred Lorenzer entwickelte Tiefenhermeneutik ist eine qualitative Methode kritisch-psychoanalytischer Kultur- und Sozialforschung. Im Gegensatz zu anderen Methoden zielt die Tiefenhermeneutik auf die unbewussten Gehalte des zu untersuchenden Materials (Texte, Filme, Interviews…). Diese unbewussten „Szenen“ schimmern zwar bloß „zwischen den Zeilen“ hindurch, sprechen die Rezipient_innen und Interpret_innen aber unwillkürlich affektiv an und können über eine Analyse dieser Reaktionen erschlossen werden. Es wird in der Arbeitsgruppe darum gehen, spontane Gefühle und Assoziationen für eine Interpretation des Materials nutzbar zu machen. Mehr Infos zur Tiefenhermeneutik sind hier zu finden.

Da die Methode der Tiefenhermeneutik mit den klassischen psychoanalytischen Verfahren der „freien Assoziation“, der „gleichschwebenden Aufmerksamkeit“ und des „szenischen Verstehens“ arbeitet, zugleich aber immer auch ein Blick auf gesellschaftliche Verhältnisse wirft, bietet die Arbeit in der Interpretationsgruppe überhaupt einen guten Einstieg und Einblick in das kritisch-psychoanalytische Denken.

Vorkenntnisse zur Tiefenhermeneutik oder Psychoanalyse sind für die Teilnahme keine Voraussetzung, nur die Bereitschaft, sich auf das zu interpretierende Material auch emotional einzulassen, eine Freude an der Selbstreflexion und die Bereitwilligkeit, regelmäßig zu unseren Treffen zu kommen (wobei es auch erlaubt ist, einmal „reinzuschnuppern“). Sehr gerne können Teilnehmer_innen auch eigenes Material aus Bachelor- oder Masterarbeiten in die Gruppe einbringen.

Studierende der Psychotherapiewissenschaft können über die Teilnahme an den Interpretationsrunden sowohl Forschungs- als auch Window of Opportunity-Punkte erwerben.

Wir treffen uns jeweils an einem Donnerstagabend von 18-20 Uhr. Die genauen Termine und auch, welches Material wann besprochen wird, machen wir jeweils gemeinsam mit den Anwesenden vor Ort aus. Die Informationen über die nächsten Termine, das Thema und das Material, das jeweils im Vorfeld zu lesen/anzuschauen ist, werden stets über einen E-Mail-Verteiler geschickt.

Wer Interesse daran hat, einmal bei uns teilzunehmen, schreibe eine E-Mail an markus.brunner@sfu.ac.at und Sie werden dann dem E-Mail-Verteiler hinzugefügt.

Ich freue mich, von Ihnen zu hören!

Dr. Markus Brunner
Email: markus.brunner@sfu.ac.at
Co-Leiter des Psychologie-Masterstudienschwerpunktes Sozialpsychologie und psychosoziale Praxis