SFU Gender Study Group

Thema im Wintersemester 2020 & Sommersemester 2021:

„Traum & Gender.
Geschlechterbilder und Körperbilder im Traum“

Termine SoSe 2021

17.2.2021, 17.3.2021, 21.4.2021, 19.5.2021, 16.6.2021, von 18:30-20:45h

Die Termine finden online per Zoom statt  – Anmeldung bei anita.dietrich@sfu.ac.at

Literatur & Links:
Irmas Injektion – Freuds Traum zur Entstehung der PSA.pdf
Beradt_Dritte Reich des Traums.pdf
Lamparter_Freuds Irma Traum.pdf
Barbara Hahn Ein kleiner Beitrag zur Geschichte des Totalitarismus Nachwort.pdf
Mendelssohn_Lucides Träumen.pdf
Frederik von Eeden, 1913:  A Study of Dreams: http://www.lucidity.com/vanEeden.html

Das, was eine Frau oder ein Mann ist bedeutet nicht unbedingt das gleiche, wie eine Frau oder ein Mann zu sein. Darin liegt die Unterscheidung zwischen dem biologischen Geschlecht und dem sozialen Geschlecht. Der Focus des Wintersemesters 2020 richtet sich auf die Traumdeutung und den verkörperten Genderaspekten des nächtlich geträumten Traumes.

Anders als zu Freud´s Zeiten sind wir sozialen Normen heute weniger unterworfen, die Gesellschaft erlaubt Genderrollen flexibel zu leben und es scheint so zu sein, dass bis zu einem gewissen Grad die biologische Geschlechtsschranke zu überwinden möglich ist. Eine befriedigende Position zum körperlichen und sozialen Geschlecht zu erlangen und sich in der geschlechtlichen Identität wohlzufühlen ist kein selbstverständlicher, sondern ein eher störanfälliger Prozess, der stark von der Umwelt mitbestimmt wird.

Der Traum – als Königsweg zur Erforschung des Unbewussten – eröffnet uns Einblicke in das Ringen, die Konflikte, Ängste und Lösungswege rund um die Etablierung der persönlicher Geschlechtlichkeit, der Beziehung zum Körperselbst und zu wichtigen Personen. Ebenso reflektiert der Traum die emotionale Verarbeitung von gesellschaftspolitischen Phänomenen.

Themenbereiche des Semesters:
– Möglichkeiten, das Traummaterial zu deuten
– Typische Ängste und Konfliktkonstellationen am Weg zur Geschlechtsidentität
– Sexualität in Metaphern und Symbolen
– Patient*in und Therapeut*in – zum Sexuellen in der Übertragungsbeziehung
– Trauma und Krise – gesellschaftliche Phänomene als Abbilder im Traum
– Wie wurde der Ausbruch der Covid-19 Pandemie im Traum verarbeitet? Sind genderspezifische Aspekte ersichtlich?

Die Datenbasis liefern die Träume der im vorigen Semester durchgeführten Corona-Traumforschungstagebuch-Studie. In kleinen Gruppen besteht die Möglichkeit, das Material auszuwerten.

Kontakt:
Mag.a Dr.in Anita Dietrich-Neunkirchner
Psychologin, Psychoanalytikerin, Leiterin der GenderStudyGroup an der SFU Wien
Mail: anita.dietrich@sfu.ac.at


Vergangene Gender Study Groups

Thema SS 2020: „der/die/das Virus“ – Aggression und Regression“
Das Corona – Traumforschungstagebuch

Das Forschungstagebuch endet mit 31.05.2020.
Bis zum 10.06. sind noch Einträge (mit rückwirkendem Datum vom Zeitraum 09.03.-31.05.) möglich!
Erste Ergebnisbesprechung am 17.06. im Rahmen der GSG – wer noch nicht im Verteiler ist, kann sich per Email an Anita Dietrich wenden.

https://www.unipark.de/uc/1_Registrierung_Corona_Traumforschung/
https://www.unipark.de/uc/2_Tagebuch_zur_Corona_Traumforschung/

Eine Forschung im Rahmen der GSG zum Mitmachen. Ziel ist es unsere bewussten und unbewussten Copingstrategien und Abwehrmechanismen zur Bewältigung der Corona-Pandemie-Maßnahmen besser verstehen zu lernen. Die Analyse unserer Träume ermöglicht einen Zugang zum kulturellen Unbewussten. 
Wenn die Krise vorbei ist, werden wir im Rahmen der GSG eine erste Auswertung der Daten gemeinsam machen!

  • Bitte, soweit möglich, täglich eintragen – die Erfassung ist absolut anonym!
  • Für die Teilnahme an dieser Forschung werden ECTS-Punkte vergeben!

Literatur: Dietrich_Traum – eine Metapher aus Geist und Körper.pdf


Thema WS 2019: „Good Girls go to Hell“ – weibliche Aggression: gefesselt? entfesselt?

Viele psychische Störungsbilder und psychosomatische Leiden von Frauen verweisen auf ein – oftmals unbewusstes – Aggressionsproblem, auf einen inadäquaten Umgang mit verpönten (Trieb-)Erregungen. Gefühle von Wut, Ärger, Empörung, Neid, Zorn und Trotz werden oftmals externalisiert und in krankhaft Art und Weise über den Umweg des eigenen Körper oder des Körpers des Kindes ausgetragen.

Billie Eilish, Shootingstar der Popmusik legt mit ihrem aktuellen Song „all the good girls go to hell“ einen düsteren, metaphorischen Song vor, der in witziger Weise das (unbewusst) aggressive Potential der Frau und der Muttergöttin thematisiert.

Das Lied besticht durch Rhythmus und Text, traumähnlich, nahe am Primärprozess des Unbewussten entlang gleitend, das eigene Unbewusste der Hörer_innen affizierend. Fühlen wir uns auch deshalb von Billie Eilish angesprochen, weil sie es in nicht moralisierender Weise schafft, uns mit unseren eigenen aggressiven und rebellischen Impulsen in Berührung zu bringen?

Ausgehend von Billie Eilish´s aktuellem Song werden wir uns vielfältigen Fragestellungen rund um das Thema der weiblichen Aggression und des daran anhaftenden Aggressionstabus widmen. Entwicklungspsychologische Aspekte, Bereiche aus der Krankheitslehre und behandlungstechnische Konsequenzen werden anhand von Texten und Fallbeispielen diskutiert.

Mögliche Schwerpunkte sind:

  • Gibt es überhaupt eine, durch die Sozialisation erworbene, geschlechtsspezifische „weibliche“ Aggression und welche Funktion hat dabei die Mutterbeziehung?
  • Wie werden aggressive Gefühle und Impulse von Mädchen und Frauen erspürt, gelebt, verworfen, im gesellschaftlichen Kontext verhandelt und eingebracht?
  • Wie können Frauen ihr aggressives Potential – ihre zupackende Lebendigkeit – gesund ausleben? Welche Rolle spielen gesellschaftliche Rahmenbedingungen um Mutterschaft und Beruf konfliktfreier zu gestalten?
  • Wie können die vielfältigen Erkrankungen, die Frauen am eigenen Körper oder an dem ihres Kindes abhandeln, verstanden werden? Essstörungen, Körpermanipulationen, weibliche Perversion, etc.?
  • Was können wir als Psychotherapeut_innen in unserer behandlungstechnischen Haltung beitragen um unseren Klienteninnen einen lebendigen Zugang zu ihrer Aggressivität zu ermöglichen?
  • Wie sehen die Übertragungs- und Gegenübertragungsprobleme speziell in der Frau-zu-Frau-Behandlung aus?

Literatur:
Langer_Sterilität und Neid.pdf
Langer_Parin über sie.pdf
Langer_Bild_böse_Mutter.pdf
Der Preis der Macht.pdf
Flaake_Adoleszenz.pdf
Kooermendy_Weibliche_Identit_und_Macht.pdf
TysonTyson_Triebtheorie.pdf
Rohde-Dachser Menge-Herrmann_weibliche Aggression.pdf


Thema  WS 2018: African Spirit – Inspirationsquelle für westliche Psychotherapie?

„Mama Afrika“ – die Wiege der Menschheit – löst in weißen Europäer*innen viele Assoziationsketten aus. Bilder von fröhlichen, hilfsbereite Menschen mit starkem Familiensinn tauchen auf, aber auch irritierende, uns fremd anmutende Eindrücke von archaischen Ritualen, nicht nachvollziehbaren Tabus, Ängsten vor Verhexung oder Begegnungen mit Ahnengeistern.

In Zeiten der globalen Migration suchen zunehmend afrikanische Patient*innen psychotherapeutische Hilfe in europäischen Einrichtungen auf. Oftmals handelt es sich um Menschen, die gewohnt waren zur Linderung ihrer psychischen Probleme traditionelle Heiler*innen zu konsultieren, deren Erkrankungsverständnis eingebettet ist in kulturspezifische Erklärungsmodelle und davon abgeleitete Heilungsrituale. Westlich ausgebildete Psychotherapeut*innen stehen vor neuen Herausforderungen im Kontakt mit diesen Patient*innen. Ihre Erzählungen erscheinen fremd, archaisch oder irrational und können Abwehrreaktionen im Gegenüber auslösen.

Die im Sommer stattgefundene Studienreise nach Malawi in Südostafrika, wo traditionelle Heiler*innen besucht und interviewt wurden, wird zum Ausgangspunkt des Semesterthemas. Mittels eines psychoanalytisch-tiefenpsychologischen Theorieverständnisses sollen Fragen erörtert werden, die sich mit Ähnlichkeiten sowie Differenzen zwischen der traditionellen Heilkunst und der westlichen Psychotherapie beschäftigen. Ziel ist es den eigenen psychischen Raum für die Behandlung afrikanischer Patient*innen zu erweitern.

Schwerpunkte:

  • Wie können Tabu-Vorschriften  verstanden werden und die damit einhergehenden Ängste bei Übertretung eines Tabus?
  • Das Phänomen der Verhexung als psychosozialer Regelmechanismus?
  • Magisches Denken und präsymbolische Vorstellungen als Zugang zu ubw. Triebkräften?
  • Über die Bedeutung von Ahnen und Geistern als innerpsychische Logik zur Bewältigung von ubw. Triebkräften?
  • Stellenwert und Interpretation von Träumen
  • Körperbezogene Behandlungsrituale – Vimbuzatanz als kathartische Heilmethode?
  • Geschlechtsspezifische Rollenerwartungen – Beschneidung zur Verortung von Geschlechterdifferenz und Kanalisation der Lust?

Literatur:
Kpanake  cultural concepts – african healer.pdf
Parin_Gruppen-Ich.pdf
Schröder_Kulturspezifik von Tabus.pdf
Gutjahr_Tabu als Grundbedingung von Kultur.pdf
Kubik_Einführung Symbol, Tabu.pdf
Kubik_ Chichewa-Raum, Tabus.pdf
Ferenczi_Sprachverwirrung_zw. Erw. Kind.pdf
Gsell_Werkblatt-17.pdf
Rambert_Werkblatt-17.pdf
Zachary_Klitoris.pdf
Horney_Angst vor Frau und Verleugnung Vagina.pdf
Das Audiofile zum Thema „Genitalbeschneidung“ finden Sie im passwortgeschützten Bereich PTW-intern → Ordner „Gender Study Group“.


Thema SS 2018: Erotik und Sinnlichkeit – Kunst und Körper

In den kommenden Seminaren wollen wir uns in unterschiedlicher Weise dem Thema Erotik annähern. Zum Einstieg in das Thema wenden wir uns der sinnlichen Körperarbeit von Kaouthar Darmoni zu. Kaouthar Darmoni coacht Frauen in Führungspositionen in Unternehmen und Politik. Ins Zentrum ihres Trainings stellt sie einen körperbewussten, sinnlichen Umgang mit dem eigenen „Erotic Capital“, dessen Grundlagen in jahrtausendealten Bauchtanzbewegungen und im Wissen um archetypischen Gottheiten fussen.Die Kollegin Herzinger wird anhand von Videos und Inputs in den Abend einführen. U.a. sollen Fragen diskutiert werden: Gibt es einen Unterschied zwischen sinnlich und sexuell? Darf eine Frau ihren Körper einsetzen, um ihre Ziele zu erreichen? Was können westliche Frauen von alten orientalischen Traditionen lernen?

Weiters werden wir uns mit Fachtexten breiten Inhalts beschäftigen. Je nach Interesse der GSG-TeilnehmerInnen werden wir triebtheoretische Begriffe wie Freud´s „Eros und Thanatos“ oder D. Manns Überlegungen von Psychotherapie als erotische Beziehungsform diskutieren.

Ebenso wollen wir Arbeiten der Performancekünstlerin Marina Abramovic ansehen und psychoanalytisch besprechen. Wenn Erotik als Kunstform eingesetzt wird, was wird damit transportiert? Welche geschlechtsspezifischen oder -auflösenden Aspekte sprechen an, stossen ab,…?

Literatur:
Fischer_Abramovic.pdf
Abramovic_Autobiografie.pdf
Pechriggl_Eros.pdf
Mann_erotische Übertragung.pdf
Mann_erotische Subjektivität_d_Therapeuten.pdf

Mann_erotische Gegenübertragung.pdf


Thema WS 2017:  Kulturen verstehen (wollen)?

In diesem Semester werden weiterhin Migrationsthemen unter einem gendersensiblen Blickwinkel betrachtet. Der Schwerpunkt liegt im Verstehen wollen (anderer) Kulturen. Der psychoanalytische Zugang – als Lehre vom Unbewussten mit ihrem kulturanalytischen und politischen Potential – wird als Methode gewählt.

Wir werden versuchen kulturelle Codes zu entschlüsseln die psychodynamisch im Individuum als auch in der Großgruppe verhandelt werden. Dabei müssen unterschiedliche Bedingungen der Sozialisation, Religion und des Geschlechterverhältnisses mitbedacht werden. Anhand von Fachliteratur, einem Dissertationsprojekt und Gesprächsprotokollen können unterschiedliche Themen beleuchtet werden, wie etwa:

  • die Entstehung des WIR – Gefühls
  • Bedingungen der inneren und äußeren Aneignung von Kultur
  • Frauenbilder im Kulturvergleich – was ist eigentlich feministisch?
  • ausgewählte Stellen aus der Bibel und dem Koran im Vergleich
  • eine tiefenhermeneutische Auswertung eines Nationalratsprotokolls zum Thema Flüchtlinge
  • Vamik Volkans Konzept der Großgruppen-Identität um nationale, ethnische und religiöse Konflikten besser verstehen zu können.

Literatur:
Volkan – Innere Welt eines Führers.pdf
Volkan – Großgruppenidentität.pdf
Freud – Familienroman.pdf
Freud – Fas Unheimliche.pdf
Kakar – Klinische Arbeit.pdf
Kakar – Kultur und Psychoanalyse persoenliche Reise.pdf


Thema SS 2017: Migration – Überlegungen zu Heimat, Fremdheit & kultureller Vielfalt

Die aktuellen Flüchtlingsströme und Asylsuchenden verunsichern die Mehrheitsbevölkerung in ihrem Umgang mit Minderheiten. Die Akzeptanz eine kulturelle Vielfalt als gesellschaftliche Bereicherung anzusehen, droht zu kippen. Ausgehend von psa. Ansätzen sollen die damit einhergehenden Ängste, Projektionen und narzisstischen Identifizierungen diskutiert werden. Genderspezifischen Fragestellungen, die sich anhand der „Burka-Diskussion“ oder der „Radikalisierung männlicher Muslime“ eröffnen, sollen ebenfalls beleuchtet werden.

Literatur:
Korchide_Maennerbild des Koran_ZEIT.pdf
Mazarweh_PSA als Revolution_Standard.pdf
Mazarweh_Voller Hass auf das sadistische UeberIch_TAZ.pdf
E.Heinemann_Maennlichkeit_Migration_Gewalt.pdf
Volkan_Identitiaetsverlust_Migration.pdf
Freud_das Unheimliche.pdf
Dietrich-Neunkirchner_Hijab und Burka.pdf