Heiss E., Vatyan E., Becher-Urbaniak S., Winter L., Schiller B. (2026). Blinder Fleck und Leiblichkeit: Bewusste und unbewusste Erfahrungen in der Online-Gruppentherapie aus psychoanalytischer Perspektive
Psychotherapie Forum
https://doi.org/10.1007/s00729-026-00313-w
Abstract
In der psychotherapeutischen Arbeit im digitalen Setting verschiebt sich das Spannungsfeld von Körper und Psyche, da körperliche Resonanzen in neuer Weise vermittelt und erlebt werden. Eine psychoanalytische Einzelfallanalyse im Gruppensetting untersucht, wie körperbezogene und unbewusste Prozesse im digitalen Gruppenraum wirken. Die Ergebnisse zeigen, dass Online-Gruppentherapie nicht primär zu einem Verlust von Körperlichkeit führt, sondern diese transformiert: Fragmentierte Sichtbarkeit, kontrollierbare Teilnahme und veränderte Resonanz schaffen einen Raum graduierter Nähe.
Gleichzeitig entsteht ein „blinder Fleck“, da Bereiche des Erlebens im virtuellen Setting unsichtbar bleiben oder durch technische Vermittlung verschoben werden. Aspekte, die in Präsenz atmosphärisch spürbar sind, erscheinen online differenziert oder gar nicht. Die Studie verdeutlicht, dass Online-Gruppen ein eigenständiges therapeutisches Setting darstellen, das Chancen für Schutz, Zugänglichkeit und Symbolisierung bietet, jedoch bewusste Reflexion von Körperlichkeit, Distanz und Sicherheit erfordert.