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PTW | Keynote in Lindau: Esther Hutfless plädiert für queere Psychoanalyse jenseits normativer Entwicklungslogiken

Bei den Psychotherapiewochen Lindau 2026 widmete sich Univ.-Prof.*in Priv.-Doz.*in Mag.*a Dr.*in Esther Hutfless einer grundlegenden Frage der Psychoanalyse: Wie ist die Pathologisierung nicht-normativer Geschlechtsidentitäten in ihre Theorien eingeschrieben – und wie lässt sie sich überwinden? Die Fakultät für Psychotherapiewissenschaft freut sich sehr, dass eine ihrer Lehrenden bzw. Forschenden im Rahmen einer Keynote bei einer renommierten Veranstaltung wichtige Denkanstöße für eine zeitgemäße psychotherapeutische Praxis liefert.

Keynote | Facetten des Geschlechts und Psychotherapie: Queere Psychoanalyse jenseits normativer Entwicklungslogiken

Esther Hutfless fragt in diesem Vortrag, wie sich die Pathologisierung nicht-normativer Geschlechtsidentitäten in die theoretische Grundstruktur der Psychoanalyse eingeschrieben hat – und wie sie von dort aus überwunden werden kann. Ausgehend von Paul B. Preciados Kritik an der Wirkmacht psychoanalytischer Ideologien in Bezug auf Geschlecht und Identität diskutiert Hutfless, ob Subjektwerdung notwendigerweise an eine binäre Geschlechtsidentität und die Annahme der Kastration gebunden ist.

Mit Jean Laplanche entwickelt Hutfless eine alternative Konzeption: Geschlecht entsteht nicht als Ergebnis eines normativen Entwicklungsweges, sondern im unabgeschlossenen Prozess der Übersetzung rätselhafter Botschaften, die von den ersten Bezugspersonen implantiert werden. Da der Ausgang dieser Übersetzungsarbeit prinzipiell offen bleibt, erscheinen nicht-normative, queere und fluide Geschlechtsidentitäten nicht als Scheitern der Symbolisierung, sondern als gleichwertige Weisen Annahme eines Geschlechts. Abschließend verbindet Hutfless Laplanches Begriff des Sexualen mit Jacques Derridas différance und schlägt das Konzept einer sexualen différance vor – als theoretischen Hebel gegen die strukturelle Pathologisierung queerer Subjektpositionen in der Psychoanalyse.

Person steht hinter einem Rednerpult mit Mikrofon auf einer Bühne, im Hintergrund drei blaue Lichtstreifen und eine Projektion mit Text, vorne zwei große Blumenarrangements

22. April 2026

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