Feldforschungsexkursion – Costa Rica 2016

Die Exkursion wurde in Kooperation mit „Asociación de Psicoanálisis Critico Social Costa Rica“ (ASPAS) und dem Bribri Verein DITSÖKATA organisiert.

Leitung in Costa Rica: Dr. Ursula Hauser, Ethnopsychoanalytikerin und Psychodramatikerin, und Alvaro Dobles, Ethnopsychoanalytiker und Kulturanthropologe

Organisation SFU: Mag. Dr. Christine Korischek

„Ìs be´ shkèna?“ ist die Begrüßung der Bribri und bedeutet übersetzt: „Wie ist die Sonne heute für dich aufgegangen?“ Wir lernten sie am vierten Tag in San José von Ali Garcia, einem Bribri, der in San José lebt und am Linguistik Institut der Universität von Costa Rica lehrt und forscht. Auch dass die Vier eine bedeutungsvolle Zahl in der Kultur der Bribri ist, erfuhren wir in den ersten Einführungsvorträgen. Das Bribri Universum besteht aus vier oberen und vier unteren Welten und in den Schöpfungsmythen wird erzählt, dass Sibö, der mythische Weltenschöpfer alles vier Mal wiederholt bis das gewünschte Ergebnis erreicht wird. Daher wird im Alltag der Bribri Augenmerk auf die Vier gelegt. Während des Forschungsaufenthaltes wurden wir schrittweise in die Denk- und Lebenswelt der Bribri eingeführt und lernten die Zusammenhänge von geographischem Lebensraum, Mythologie und Alltagsleben dieser indigenen Bevölkerungsgruppe kennen. Im Laufe des Aufenthaltes wurde die Bedeutung des Begrüßungssatzes klarer und entschlüsselte sich stückweise.

Die Achse Nordost – Südwest hat eine wichtige Bedeutung im Leben der Bribri in Talamanca. Im Westen wird ihr Lebensraum geographisch von einem Gebirgszug, der Cordillera de Talamanca, begrenzt. Im Osten liegt das Meer, dort mündet der Fluss und es ist der Ort des Sonnenaufganges. Diese Eintrittspforte in das Land der Bribri wird in ihrer Mythologie von Sura, einer dicken Frau und Gefährtin von Sibö, dem mythischen Schöpferwesen der Bribri, bewacht. Wenn es heiß ist, dann wird sie schläfrig und Unheilvolles und krankmachende Wesenheiten können eindringen. Im meteorologischen Jahreszyklus kommen im Oktober vom Nordosten, von der Küste her, starke Winde, welche die Fische stromaufwärts treiben, aber in der Lebenswelt der Bribri auch Krankheit und Unheil bringen. Auch die spanischen Konquistadoren sind vom Meer her gekommen und zerstörerisch in das Gebiet eingedrungen. Geographie, Mythologie und Geschichte fließen ineinander. Der Eingang zum Usure, einem konisch geformten Haus, in dem wir tägliche Traum-Gespräche mit unseren Gastgebern führen konnten, ist nach Osten hin ausgerichtet. Dieses mit Palmblättern gedeckte Rundhaus stellt eine symbolische Abbildung des Universums mit den vier oberen und den vier unteren Welten dar.

Die Worte, die im Usure gesprochen werden, gehen nicht nach außen und damit wurde dieser dunkle Ort mit dem rauchigen Feuer in der Mitte – es gibt keine weiteren Öffnungen neben dem Eingang – ein geschützter Raum für die Begegnung zwischen den SFU Studentinnen und Studenten und den Mitgliedern des Bribri Klans von Don Fausto Morales unter der Leitung und Übersetzung von Ursula Hauser und Alvaro Dobles.

Die Forschungsgruppe: